Der Gruß

Der Gruß spielt im Karate-Do eine nicht unwesentliche Rolle. Wir alle kennen den Gruß vor dem Partner beim Training im Dojo, auf großen Lehrgängen und natürlich auch auf Wettkämpfen. In letzter Zeit kann man als Kampfrichter/-in eine Entwicklung verfolgen, die sicher dem Sinn des Grußes zuwiderläuft:

 

Zum einen kann man beobachten, dass vor dem Kampf, wenn die Kämpfer sich in der Kampffläche gegenüberstehen, als Gruß nur noch der Kopf genickt wird, immer zum Kämpfer, manchmal auch zu den Kampfrichtern. Letzteres ist nicht notwendig. Der Gruß zum anderen Kämpfer allerdings muss ausgeführt werden, und zwar richtig nach allen bekannten Regeln des Karate-Do. Ein hingeschleudertes Kopfnicken genügt da nicht!

 

Zum anderen sieht man immer öfter, dass die Kämpfer nach Beginn des Kampfes als erste Bewegung eine Berührung der vorderen Hände vornehmen. Diese eigentlich sicher freundschaftlich gemeinte Geste, die man ja auch aus anderen Sportarten kennt, hat aber einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie entwertet den eigentlichen Gruß, der ja vorher bereits stattfand. Die Frage stellt sich doch, warum Kämpfer sich nach einem Gruß noch einmal grüßen.

 

Kurios ist natürlich, dass gerade diejenigen Kämpfer, die vor dem hajime besonders schlampig grüßen, nach dem hajime den anderen Gruß einfordern. Beide Formen dieses Fehlverhaltens (schlampiger Gruß vor und "Vordere-Hand-Gruß" nach dem Startsignal) können eigentlich nur darauf zurückgeführt werden, dass diese Kämpfer sich der Bedeutung des rei gar nicht mehr bewusst sind, oder es vielleicht nie gelernt haben.

 

Die Etikette des Grußes (reigi shaho) ist in den Budo-Künsten zentral. Rei kommt in zwei Begriffen vor: reigi (Etikette, Höflichkeit, Verhalten) und keirei (Gruß, Verbeugung). Die Verbeugung signalisiert ganz allgemein Demut. So wird der erste Kampf der Kampf gegen sich selbst. Nach Funakoshi Gichin ist die Höflichkeit die Grundlage jeder Etikette und der Gruß ihr wichtigstes Symbol. Die Art und Weise des Grußes spiegelt den Charakter des Karateka wider. 

 

Rei signalisiert den Respekt, den ein Mensch in aller Bescheidenheit vor einem anderen bezeugt. Deshalb grüßt man mit Würde und Konzentration. Nie grüßt man oberflächlich und unkonzentriert. Die äußere Form zeigt die innere Haltung. Keine Frage, mit der Schlampigkeit des Grußes geht ein wesentliches Stück Karate-Do verloren.

 

Aus dem shiai kennen wir folgende Bezeichnungen:

Eine solche Liste könnte man leicht fortsetzen: 

  • sensei ni rei (Gruß an den Meister), 
  • sempai ni rei (Gruß an die Älteren) usw.