Die kleine Enzyklopädie des Karate

 

Die Farben des Gürtels Aussprache Zahlen Kommandos
Angriffsstufen Japanische Begriffe Der Gruß Kata und Bedeutung

 

Die Farben des Gürtels und ihre Bedeutung

Weiss Der Schnee liegt auf der Landschaft:
Der Lehrer sieht den Schüler nicht.
Der Schüler sieht die Lehre nicht.
 
Gelb Der Schnee schmilzt,die harte gefrorene Erde leuchtet gelb:
DerLehrer sieht nicht, ob der Schüler fruchtbar ist.
Der Schüler sieht nicht, ob aus dieser Lehre für ihn Frucht wachsen wird.
 
Orange Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne:
Der Lehrer sieht noch keine Frucht.
Der Schüler keimt, kann aber noch nichts.
 
Grün Ein Pflänzchen kommt?
Der Lehrer sieht; der Schüler versteht.
Der Schüler erkennt die Wirkung der Lehre.
 
Blau Die Baumkrone reicht in den Himmel:
Der Lehrer sieht das Leben seines Samens.
Der Schüler erlebt die Tiefe der Lehre.
 
Braun Der Baum hat feste Borke:
Der Lehrer sieht den Beginn selbstständigen Lebens.
Der Schüler sieht, fest geworden, den ersten Gipfel in der Ferne.
 
Schwarz Das Wandeln der Stille.
 

zum Anfang

 

Die Aussprache

Der Aussprache liegt die englische Schreibweise zugrunde. Im Japanischen werden die Silben durchweg gleich stark betont - es heißt also weder Karate´ noch Kara´te, sonderen Ka´ra´te´.

h: ein Laut, der zwischen H und ch liegt - etwa wie in "Dach"
e: etwas nach ä hin aussprechen
z: wie s in "Sockel"
ch: wie tsch
j: wie dsch in "Germany"
s: wie ss in "Masse"
y: wie j
r: Zungen-r wie im Romanischen oder Slawischen
sh: wie sch

In manchen Silben wird das u kaum betont oder ganz verschluckt - z.B. in Oi-Zuki = z´ki ae, ei, ue usw. werden nicht verschmolzen, sondern getrennt gesprochen: Mae-Geri = ma-e Geri

zum Anfang

 

Japanische Zahlen

 

1 Ichi
2 Ni
3 San
4 Shi
5 Go
6 Roku
7 Shichi
8 Hachi
9 Ku (Kyu)
10 Ju

 

 

 

 

 

 

zum Anfang


 

Die Kommandos

Yoi! Achtung! Yame! Kurz gesprochen: Stop!
Hajime! Anfangen, los! Mawate! Kehrt, Wendung!

zum Anfang

Die Angriffsstufen

Gedan Untere Stufe (bis zum Gürtel)
Chudan Mittlere Stufe (Gürtel bis Hals)
Jodan Obere Stufe (Kopf)

zum Anfang

 

Erläuterung weiterer japanischer Begriffe
 

Dan Meistergrad
Dojo Übungsraum, Club
Hara, Tanden Bauch, Schwerezentrum
Karateka Karatefrau/-mann(wörtl. -experte)
Karate-gi Karate-Bekleidung
Kiai Höchster Krafteinsatz (hörbarem Ausatmen, ähnlich einem Kampfruf)
Kime Äußerster Einsatz mit voller Spannung und höchstem Kampfgeist
Kohai Der, der nach einem selbst mit Karate-Do angefangen hat
Kyu Schülergrad
Sensei Meister
Sempai Der, der länger als man selbst Karate-Do betreibt


zum Anfang
 

Der Gruß

 

Der Gruß spielt im Karate-Do eine nicht unwesentliche Rolle. Wir alle kennen den Gruß vor dem Partner beim Training im Dojo, auf großen Lehrgängen und natürlich auch auf Wettkämpfen. In letzter Zeit kann man als Kampfrichter/-in eine Entwicklung verfolgen, die sicher dem Sinn des Grußes zuwiderläuft:

Zum einen kann man beobachten, daß vor dem Kampf, wenn die Kämpfer sich in der Kampffläche gegenüberstehen, als Gruß nur noch der Kopf genickt wird, immer zum Kämpfer, manchmal auch zu den Kampfrichtern. Letzteres ist nicht notwendig. Der Gruß zum anderen Kämpfer allerdings muß ausgeführt werden, und zwar richtig nach allen bekannten Regeln des Karate-Do. Ein hingeschleudertes Kopfnicken genügt da nicht!

Zum anderen sieht man immer öfter, daß die Kämpfer nach Beginn des Kampfes als erste Bewegung eine Berührung der vorderen Hände vornehmen. Diese eigentlich sicher freundschaftlich gemeinte Geste, die man ja auch aus anderen Sportarten kennt, hat aber einen ganz entscheidenden Nachteil: Sie entwertet den eigentlichen Gruß, der ja vorher bereits stattfand. Die Frage stellt sich doch, warum Kämpfer sich nach einem Gruß noch einmal grüßen.

Kurios ist natürlich, daß gerade diejenigen Kämpfer, die vor dem hajime besonders schlampig grüßen, nach dem hajime den anderen Gruß einfordern. Beide Formen dieses Fehlverhaltens (schlampiger Gruß vor und "Vordere-Hand-Gruß" nach dem Startsignal) können eigentlich nur darauf zurückgeführt werden, daß diese Kämpfer sich der Bedeutung des rei gar nicht mehr bewußt sind, oder es vielleicht nie gelernt haben.

Die Etikette des Grußes (reigi shaho) ist in den Budo-Künsten zentral. Rei kommt in zwei Begriffen vor: reigi (Etikette, Höflichkeit, Verhalten) und keirei (Gruß, Verbeugung). Die Verbeugung signalisiert ganz allgemein Demut. So wird der erste Kampf der Kampf gegen sich selbst. Nach Funakoshi Gichin ist die Höflichkeit die Grundlage jeder Etikette und der Gruß ihr wichtigstes Symbol. Die Art und Weise des Grußes spiegelt den Charakter des Karateka wider. Rei signalisiert den Respekt, den ein Mensch in aller Bescheidenheit vor einem anderen bezeugt. Deshalb grüßt man mit Würde und Konzentration. Nie grüßt man oberflächlich und unkonzentiert. Die äußere Form zeigt die innere Haltung. Keine Frage, mit der Schlampigkeit des Grußes geht ein wesentliches Stück Karate-Do verloren.

Aus dem shiai kennen wir folgende Bezeichnungen:

o tagai ni rei

Kämpfer/Mannschaften grüßen zueinander o- = Höflichkeitspräfix
tagai = gegenseitig, einander
ni = Dativpartikel
rei = Gruß, Ehrerbietung

shimpan ni rei

Kämpfer grüßen Kampfrichter shimpan = Kampfrichter
ni = Dativpartikel
rei = Gruß, Ehrerbietung

shomen ni rei

Gruß an die Zuschauer shomen = Front, Fassade
ni = an, auf
rei = Gruß, Ehrerbietung

ritsu rei

der förmliche Gruß (im Stand) ritsu = Form, Etikette
rei = Gruß

za rei

Gruß im Sitz za = Sitz
rei = Gruß

Eine solche Liste könnte man leicht fortsetzen: sensei ni rei (Gruß an den Meister), sempai ni rei (Gruß an die Älteren) usw.

zum Anfang

 

Kata und ihre Bedeutung

Sanchin Sanchin bedeutet "3 Kämpfe". Gemeint ist hierbei der Kampf von Geist, Seele und Körper. Durch hartes Training und beständiges Üben sollen alle drei vereint werden. Ursprünglich wurde diese Atem-Kata mit offenen Händen von Kanryo Higashionna gelehrt, wie es auch heute noch im Uechi-Ryu praktiziert wird. Miyagi änderte dies zu geschlossenen Fäusten.
 
Gekisaidaichi Die Übersetzung dieser Zeichen meint "zerstören, demolieren". Diese Katas wurden von Chojun Miyagi eingeführt, um Anfänger in der Kunst einen ersten Einstieg zu liefern. Sie entstanden um das Jahr 1944 herum, das deutlich vom 2. Weltkrieg auf Okinawa geprägt war. In den ursprünglichen Versionen der Kata wurde der erste Fauststoß auch sehr hoch (über das eigene Jodan hinaus) ausgeführt, was einen Konter gegen einen sehr großen (amerikanischen) Gegner symbolisiert.
 
Gekisaidaini Siehe Gekisaidaichi
Saifa Saifa ist die Bedeutung von "Zerstörende Schläge". Ursprünglich wurde das zweite Zeichen "ha" ausgesprochen, änderte sich aber durch den okinawanischen Einfluß zu "fa". Zusammen wird "reissen "gemeint, was in der Kata auch durch einige Techniken symbolisiert wird.
 
Tensho Tensho bedeutet "Drehende Hände". Diese Atem-Kata wurde von Miyagi selbst entwickelt. Sie verbindet Elemente aus dem Sanchin mit größerer Weichheit aus dem "Weißer-Kranich-Stil" des Quan'fa. Miyagi entwickelte die Tensho aus der chinesischen Kata "Rokkishu", was 6 Hände bedeutet. Gemeint sind hier die verschiedenen Handstellungen während der Ausführung der Kata.
 
Seinchin "Kämpfen über die Distanz", oder "Das Gleichgewicht brechen". Seinchin ist eine der Ju-Kata, die Sensei Higashionna aus China mitbrachte, und gilt als "die Goju-Ryu-Kata". Sie entstammt dem sog. chinesischen "Weißer-Kranich-Stil" und ist vor allem durch den sehr häufig vorkommenden Shiko-Dachi geprägt, was auf den Einfluß des Naha-Te zurückzuführen ist, der durch seine tiefen Stände charakterisiert wird. Der Shiko-Dachi ist eine der Schlüsselstellungen des Goju-Ryu.
 
Shisochin Shi-so-chin bedeutet "Kampf in vier Richtungen". Das letzte Zeichen ist dasselbe wie auch in Sanchin, Seinchin etc. Diese Kata ist geprägt durch viele offene Handtechniken, die dem chinesischen "Tiger-Stil" entstammen. Auch der Shi-so-chin wurde von Higashionna nach seiner Reise nach China erst ins Naha-Te aufgenommen. Der Name charakterisiert die Kata sehr gut. Die zentrale Stelle sind Techniken in alle vier Richtungen.
 
Sanseru Sanseru bedeutet "36". Die Interpretation dieser Zahl in Verbindung mit der Kata variieren. Man sagt "6x6=36", wobei die erste "6" Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist entspricht und die zweite "6" Farbe, Stimme, Geschmack, Geruch und Gerechtigkeit. Die Kata ist geprägt von tiefen Tritten (Kansetzu-Geri, Gedan Mae-Geri), sowie Halte- und Hebeltechniken. Auch diese Kata wurde von Higashionna aus China mitgebracht.
 
Sepai Sepai bedeutet "18". Auch hier taucht eine Rechnung über "3x6=18" auf. Meitoku Yagi wies stets darauf hin, daß die Stände der Sepai aus dem Stil des "weißen Kranichs" stammen. Die Angriffs- und Abwehr-Kombinationen in (Furi-Uchi in Bensoku-Dachi) weisen ebenfalls wie das Tai-Sabaki (Fußarbeit) der Kata eindeutig darauf hin.

zum Anfang